• Inte_en

"Just one more thing..."

Aktualisiert: 17. Dez. 2021

Ich sah letztens mal wieder etliche columbo folgen. Sie legten sich wie weiche watte um mich herum und entführten mich auf wundersame weise zurück in einen teil meiner Kindheit.

Meine oma väterlicherseits pflegte stets columbo zu sehen und wenn wir kinder bei ihr waren, durften wir immer mitschauen. Wir durften nie selber sendungen aussuchen, sondern begnügten uns mit der ausswahl unserer großeltern. Tagesschau, ein Kessel Buntes und eben Columbo. Hauptsache Glotze. Wir waren happy. Und alles war irgendwie gut. Im Winter war es kalt und dunkel, aber wir hatten unsere dicke daunenbettdecke, aus der nur noch die nasenspitze frech rauslugte.

Im sommer gab es eis und wir spielten fussball auf der spielstraße.

Tatsächlich tauchen solche bilder auf, wenn ich Columbo schaue. Obwohl Columbo stets einen mord aufklären muss, war die welt für mich super in ordnung.


Inspektor Columbo

vom los angeles police departement, überführt jeden.

Dafür benötigt er weder schusswaffen, die er verabscheut, noch gewalt.

Er ist überaus höflich und äußerst respektvoll seinen mitmenschen, auch oder gar besonders den mördern gegenüber.

In folge 41 "alter schützt vor morden nicht" sagt er, dass er seinen beruf liebt und das die welt aus vielen netten menschen besteht. Das er menschen respektiert. Sogar die mörder. Nicht für die morde.

Columbo findet aber, dass es an jedem menschen etwas nettes gibt. Naiv werden viele meinen, ich finde, es ist weise.

Er schafft was großartiges.

Denn nie nimmt er den menschen die würde.

Ich glaube auch, dass es keinen zweiten auf der welt gibt, der mehr komplimente pro sekunde verteilt. Er versucht stets die motive für den mord nachvollziehen, in einigen fällen versteht er sie sogar.

Am ende richtet er nicht, dass steht ihm nicht zu, er lässt die mörder aber auch nicht davon kommen.

Ein oder zwei ausnahmen gibt es wohl. Aber die schaut euch selbst an, wenn ihr möchtet.

Columbo ist für mich zutiefst menschlich, charmant, witzig und herzerwärmend. Besonders sein strahlen beim lachen ist verneinnamend und ansteckend.

Es wirkt so jugendlich, fast kindlich, verschmitzt und rein.

Ich weiss nicht, ob man so ein lachen spielen kann.

Da verschmilzt peter falk mit columbo, meiner meinung nach.


Inspektor columbo, mit seiner unfassbaren schläue, hinter trottel-, und schusseligkeiten versteckend, wird für den gegner von szene zu szene lästiger und nerviger, was so manchen täter nach und nach an den rand der verzweiflung bringt, so dass die fassade aus haltung und contenance bröckelt, versuchen sie doch stets, zusehens hilfloser, die kleinen ungereimtheiten, für die für columbo händeringend antworten sucht, erklärbar zu machen.

Das andauernde "nur eine frage noch, sir/m'am..." nach verabschiedungen.

Herrlich, auch weil es eben so nervig ist...kult.

Der inspektor bleibt in den allermeisten fällen besonnen und lässt sich fast nie aus der fassung bringen, während, die sich oft selbst überschätzenden mörder nicht selten anfangen, drohungen oder beschimpfungen auszuprechen, und anfangen fehler zu begehen, obwohl sie sich lange in sicherheit wiegen und denken, dass sie mit dem verbrechen davon kommen werden.

Columbo verkleinert den radius der ausflüchtsmöglichkeiten seiner verdächtigen geduldig runde um runde und kann letztendlich nur triumphieren, kostet seinen sieg aber nie aus, labt sich nicht dran oder findet sich danach besonders toll.

"Ich bin nur inspektor. Sie dagegen...."

Er ist fähig, andere zu bewundern, ohne anbiedernd zu wirken. Vielleicht weil es echte bewunderung ist und keine gespielte?

Da ist die psychologie sehr spannend. Dort gibt es die projektion. Die meisten täter

unterschätzen columbo, fühlen sich überlegen und sind zuweilen abschätzig. Columbo sieht die großartigen dinge in seinem gegenüber und begibt sich augenscheinlich in die unterlegene rolle.

Und beide spiegeln ihre projektion. Was ich in dir sehe, bin ich. Was du in mir siehst, bist du. Ok, stopp, soll ja kein vortrag werden...ist vielleicht auch abwegig....ich hatte tatsächlich einfach unfreiwillig viel zeit. Auch über columbo nachzudenken. Irgendwie hat er mir so auch über diese zeit hinweg geholfen. Und wer weiß, ob es jemals noch mal eine andere geben wird. Ich schweif ab...die fälle...


...sind allesamt intelligent und vielfältig, und für mich ist es immer wieder ein genuss zu erleben, wie er die alibis knackt oder die täter mit list zu geständnissen bringt oder zum selbstverrat verführt. Obligatorisch die frage des täters am ende, was ihn den verraten habe, warum columbo von anfang wusste, wer den mord begannen hat. Ich kann fast ausnahmslos alle folgen immer und immer wieder sehen und entdecke dennoch neues, es wird mir nicht langweilig beim zuschauen, trotz des gleichen schemas, mit dem die folgen aufgebaut sind. Ganz grossartig sind auch die etlichen weiblichen mörder, die an intelligenz und finesse den männlichen in nichts nachstehen.

Die mörder kommen immer aus der high society. Hinter Glanz, Glamour und Champagner, hinter teuren Autos und Uhren blitzt die Gier, der Neid, der Hass, die Eifersucht.

Natürlich blinzeln facetten von chauvinismus in einzelnen folgen durch, aber ich gebe zu, dass diese mich eher zum schmunzeln als zur empörung bringen. Ich glaube auch keinen schwarzen mörder zu erinnern, aber ich kann mich auch irren. Die oberschicht ist eben zu hohen prozenten weiß. Ich denke für viele ist die serie einfach eine erinnerung an die "gute alte zeit", selbst wenn man die 60er oder 70er gar nicht miterlebt hat. Die zeit, in der es beispielsweise für einen inspektor columbo undenkbar ist, für eine chefin zu arbeiten.

In dieser guten alten zeit war ja eben nicht nur alles gut oder immer toll, aber was ist verwerflich an verklärung, wenn sie einem bewusst ist?


Columbo rotzt unverhohlen in ein taschentuch, schüttelt hände und trinkt aus tassen, die andere benutzt haben, futtert sich durch imbisse, seltener restaurants, umarmt menschen, kommt ihnen manchmal so nahe, dass kein blatt dazwischen paßt, tatscht hund an und führt dann seine zigarre zum mund.

UNVORSTELLBAR für viele in heutigen zeiten. Hygiene? Abstand?


Das ist die zeit, in die ich mich tatsächlich zurücksehne. Ebenso wie zuweilen in die Kindheit. Die liegt nun aber etliche jahre zurück. Die andere ist gerade mal zwei jahre her.


Manchmal wünscht ich, ich würde die welt mit columbos augen sehen, bescheiden, dankbar, demütig, hartnäckig und erfolgreich ohne arroganz...und nicht durch die linse eines smartphones.


Mrs. Columbo muss eine glückliche Frau sein 😀


Den jüngeren kommt columbo vielleicht wie ein relikt vor. Vergleichbar für mich wie die alten stummfilmikonen, obwohl ich denen auch eine menge abgewinnen kann.


"ICH DANKE IHNEN VIELMALS"


Ich verneige mich vor peter falk und danke ihm für seinen columbo und das wohlige gefühl beim schauen.

67 Ansichten2 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

V wie Vandetta